Riesenschlangen
Allgemein
Die Riesenschlangen (Boidae) sind eine Familie der Schlangen. In den Gattungen dieser Familie werden die größten Schlangen dieser Erde zusammengefasst. Sie sind Würgeschlangen und töten ihre Beute durch Umschlingen (Würger). Manche Arten können aufgrund ihrer Größe und Kraft auch für den Menschen gefährlich werden. Alle Vertreter der Riesenschlangen sind nicht giftig. Es werden 88 Arten in 23 Gattungen in dieser Familie geführt.
Der komplett mit Schuppen bedeckte Körper der Riesenschlangen ist lang gestreckt, meist zylinderförmig. Bei einigen baumbewohnenden Arten ist dieser jedoch seitlich abgeflacht, mit deutlich dargestellter Wirbelsäule. Der Schwanz ist im Verhältnis kurz, er beginnt hinter der Kloake. Im Schwanz befinden sich bei den Männchen die paarig angeordneten Hemipenes, bei den Weibchen sind dort Duftdrüsen ausgebildet. Die Organe, besonders der Magen, sind stark dehnbar. Die Kopfform variiert je nach Art. Der Kopf kann vom Hals ohne sichtbaren Übergang, oder deutlich abgesetzt sein. Die Ober- und Unterkiefer sind nicht fest durch Gelenke miteinander verbunden. Sie werden durch lediglich zwei Stäbchen fixiert diese von dehnbaren Bändern umgeben sind und werden von diesen gehalten. Dieser Aufbau ermöglicht das Ausklinken der beiden Kieferhälften. Einige Gattungen besitzen wärmeempfindliche Labialgruben, die sich in einer Schuppenreihe entlang der Ober- und Unterlippe befinden. Die Augen besitzen kein Lid und die Pupille ist senkrecht geschlitzt. Von der Zunge aufgenommene Duftstoffe werden an zwei Vertiefungen am Gaumen abgegeben. Es besteht von dort eine Verbindung bis zum Gehirn. Dieses Organ wird nach seinem Entdecker als das Jacobsonsche Organ bezeichnet. Die Riesenschlangen besitzen kein Gehör, dennoch werden Erschütterungen am Unterkiefer wahrgenommen und über den Steigbügel weitergeleitet.
Die Lungenflügel sind bei den Riesenschlangen noch beide erhalten. Bei den meisten anderen Schlangen hingegen (z. B. Nattern) ist der linke Lungenflügel stark zurückgebildet, der rechte dafür lang ausgestreckt. Der hintere Abschnitt ist als Luftreservoir ausgebildet, so dass während des Schlingaktes von dort die Versorgung mit Atemluft sichergestellt ist. Bei den Riesenschlangen ist dieser „Speicher“ nicht sehr weit entwickelt und kann nur wenig Atemluft aufnehmen.
Neben der Kloake sind als rudimentäre Überreste der Hinterextremitäten die Aftersporne sichtbar, ebenfalls sind bei dieser Familie noch Reste des Beckengürtels vorhanden.
Größe und Gewicht
Die Familie der Riesenschlangen umfasst die größten lebenden Schlangen. Große Arten können 7 bis 10 Meter lang werden, wie zum Beispiel der Netzpython oder die Grüne Anakonda, wogegen andere Arten sehr viel kleiner bleiben und im Grunde den Namen Riesenschlangen nicht verdienen. Es gibt Berichte von über 12, sogar bis 17 Meter langen Riesen, wobei solchen Berichten nur mit viel Phantasie Glauben zu schenken ist. Wissenschaftlich sind solche Schlangen noch nie vermerkt. Das längste nachgewiesene Exemplar war eine Grüne Anakonda mit 9,62 Meter.
Einige Arten der Sandboas erreichen als ausgewachsene Tiere nur wenige hundert Gramm. Dagegen können die großen Arten als Adulti durchaus ein Gewicht von etwa 150 Kilogramm auf die Waage bringen. Eine Grüne Anakonda wies mit 182 Kilo das höchste jemals dokumentierte Gewicht einer Schlange auf.
