Utila Leguan
Allgemein
Der Utila-Leguan (Ctenosaura bakeri) ist ein ungewöhnlicher Vertreter der Schwarzleguane, dessen Verbreitung auf die Insel Utila (Islas de la Bahia) beschränkt ist.
Der deutsche Name Schwarzleguan bezieht sich auf die graubraune bis schwarze Färbung, die allen Schwarzleguanen in unterschiedlichem Umfang zu eigen ist. Utila-Leguane sind die einzigen Schwarzleguane, die bereits als Jungtiere beim Schlupf deutlich graubraun bis schwarz gefärbt sind; Jungtiere anderer Arten haben zunächst eine grüne Färbung.
Der Utila-Leguan kommt nach bisherigem Kenntnisstand endemisch im ca. 10 km² großen Mangrovenwald der honduranischen Karibikinsel Utila vor. Er ist ein Bewohner der Baumkronen. Die Anpassung an den salzig-feuchten Lebensraum der Mangrove ist eine Besonderheit dieser Art, alle anderen Schwarzleguane bevorzugen aride Habitate. Da der Utila-Leguan in der Mangrove seine Gelege nicht erfolgreich zum Schlupf bringen kann, wandern die trächtigen Weibchen zu Beginn der Trockenzeit an sonnige Sandstrände in der Nachbarschaft der Mangrove und vergraben hier ihre Gelege. Nach der Eiablage ziehen sich die Weibchen wieder in den Mangrovenwald zurück. Einige Wochen später schlüpfen die Jungtiere und wandern zunächst in die buschigen Mangrovenrandbereiche.
Ctenosaura bakeri wurde 1901 anhand von Tieren beschrieben, die der Washingtoner Zoo vom US-amerikanischen Konsul auf Utila geschenkt bekommen hatte. Nach ihrem Tod stellte sie der Zoodirektor J. Baker dem Herpetologen Stejneger für systematische Untersuchungen zur Verfügung.
Über die ungewöhnliche ökologische Einnischung war zunächst nichts bekannt. Die Art galt bis Mitte der 1990er Jahre als verschollen, war also ein Objekt der Kryptozoologie. Jungtiere wurden von Expeditionen in den 1970er Jahren an Utilas Stränden nachgewiesen. Der Verbleib der Adulttiere blieb bis 1994 rätselhaft. 1994 untersuchte G. Köhler als Doktorand der Universität Frankfurt die Systematik der Schwarzleguane; beinahe zufällig stieß er in der Mangrove auf ein erwachsenes Männchen des Utila-Leguans.
Während Wissenschaftler die Art beinahe hundert Jahre lang vergeblich gesucht hatten, stand der Utila-Leguan schon lange auf der Speisekarte der Inselbewohner. Stetige Zuwanderung, u.a. durch den Tourismusboom auf den Islas de la Bahia, zu denen Utila gehört, hatte den Jagddruck auf die Art erhöht. Durch Initiative von Köhler und anderen Wissenschaftlern wurde der Utila-Leguan noch 1994 nach honduranischem Recht unter Naturschutz gestellt. Seit Ende 2004 ist die Art auch auf der Roten Liste der bedrohten Arten der Weltnaturschutz-Union als stark gefährdet eingestuft.
Ein gemeinsames Artenschutzprojekt der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt betreibt seit 1998 eine Station auf Utila, die sich der Aufklärung und Beratung der Bevölkerung und der Touristen widmet und ein Aufzuchtprogramm betreibt. Die Arbeit in der Station wird ausschließlich von freiwilligen Helfern aus aller Welt durchgeführt; die Station wird mit Spendenmitteln betrieben.
