Das Reptilium in
Landau
Vor knapp drei Jahren - Im Juli 2004 - öffneten sich erstmals die Pforten einer außergewöhnlichen Zooanlage – dem größten Terrarien- und Wüstenzoo Deutschlands. Knapp 300.000 Besucher erlebten seit Eröffnung des Reptiliums in Landau die spannende und oft fremde Welt der Echsen, Schlangen, Schildkröten und Frösche. Über 1000 Tiere repräsentieren circa 100 verschiedene Reptilien- und Amphibien- sowie einige Spinnenarten.

Ob jung oder alt – die Faszination ergreift wohl jeden, der bei sommerlichen Temperaturen die Anlage durchschreitet und ihre Bewohner samt Lebensgewohnheiten kennen lernt. Dank Vergesellschaftung verschiedener Arten, artgerechter Haltung sowie natürlich und großzügig gestalteten Lebensräumen ist eben dies hier in besonderem Maße möglich.
Rundgang
Nach freundlicher Begrüßung im Eingangsbereich entdecken wir rechtsseitig die Babystation. Noch schnell die Jacken weggehängt, betreten wir den Nachwuchsbereich einschließlich Inkubationsstation. Mit ein wenig Glück kann man hier in einem großen Brutschrank beobachten, wie manch Tierbaby sich durch die Eierschale ins Licht der Welt und in den Blick der staunenden Beobachter rückt.
Die Kleiderhaken werden wir noch öfter aufsuchen, denn in
der ebenfalls an den Eingangsbereich angrenzenden Terrarienhalle herrschen
tropische Temperaturen.
Regenwald-, Halbwüsten- und Wüstenterrarien erstrecken sich über 1000 m². Auf sandigem Boden ergründen wir die Welt von „Lila“, „Flips“, „Cleo“, „Jonny Luka“, „Starbucks“ und vielen anderen mehr.
Neben den Namensschildern der Bewohner helfen uns Informationstäfelchen mit grundlegenden Daten sowie einem Bild jeder Art, die Bewohner herpetologisch korrekt zuzuordnen. Weitere Hinweistafeln unterrichten über die Besonderheiten so manches Einwohners. Derart schildern Jéllo, Melo und Kimina – drei Große Madagaskar Taggeckos – warum und wie sie bei Gefahr Ihren Schwanz abwerfen. Dass Riesenschlagen nicht immer riesig sind - wie ein anderer Hinweis erläutert - können wir beim Anblick eines dunklen Tigerpythons kaum glauben.
Wir sind in jedem Fall beeindruckt und schauen weiter zu anderen interessanten Einwohnern:
- Apothekerskinke, die sich im Sand eingraben, um ab und an einzig ihr Köpfchen zu präsentieren
- Ein Tomatenfrosch, der seinen Namen redlich verdient hat
- Der knallblaue Färberfrosch „Blubberl“
- Eine Papua-Weichschildkröte, die sich den Lebensraum mit einem neugierigen Bindenwaren mir süßem rosa Näschen teilt
- Wasseragamen, die geduldig in unsere Kamera schauen, bis wir „DAS“ Bild geschossen haben
- Jemenchamäleons mit scheinbar endlos langen Schleuderzungen
- Junge Strumpfkrokodile – gleich eine ganze Gruppe
Zweifelsohne gibt es noch viel mehr zu entdecken, aber wir wollen ja nicht alles vorweg nehmen.
Sehr durstig geworden, laufen wir an einem Jeep vorbei auf dem Weg zur Wüstenhalle, wo Snacks und Getränke auf uns warten. Am Durchgang jedoch erblicken wir linksseitig einen in blaues Licht getauchten Raum – das Nachthaus – das erste deutsche seiner Art. Wir dursten noch ein wenig und schauen uns zunächst die hier lebenden dämmerungs- und nachtaktiven Tiere an. Um deren Lebensgewohnheiten zu zeigen, wird im Nachthaus der Tag zur Nacht und die Nacht zum Tag. So können Gila-Krustenechsen, Rokkokokröten, Zwergklapperschlangen oder die Mangroven-Nachtnattern beobachtet werden. Das Nachthaus wirkt besinnlich und wiegt seine Bewohner in blauem Licht. Erst wenn die Pforten des Reptiliums geschlossen haben, gehen hier die Lichter an und die Nachtaktiven schlafen.
Nun wartet noch die Wüstenhalle auf uns – genauso wie unsere Snacks. Doch sobald wir die Wüstenhalle betreten – ein 700 m² großes Terrain in Gestalt einer Steinwüste – erspähen wir weitere Terrarien, die die zahlreichen Sitzmöglichkeiten umfassen. Hunger und Durst müssen wohl doch noch warten. Wir bewundern Savannen, Halb- und Felswüsten sowie Trockenwälder und deren Bewohner. Von den 70cm tief in den Boden gelassenen Betonwannen – die die Basis dieser Lebensräume stellen - ist dank liebevoller Gestaltung nichts mehr zu sehen. Unter einer hohen Kuppel beobachten wir einige riesige Echsen wie Kapwaran, Nashornleguan und Roter Teju. Auch die drei Großen Spornschildkröten – ein 19jähriges Männchen und seine beiden 16jährigen Weibchen – deren Panzer eine Länge von über 80cm messen kann, begrüßen uns. Alles scheint zum Anfassen nah – besonders aufgrund der nach oben offenen Bauweise. Einzig die giftige Felsenklapperschlange lebt in einem geschlossenen Terrarium – und das ist auch gut so.
Per Mikrophon und Lautsprecher erklärt Tierpfleger Sven die vorgestellten Tierarten. Weiterhin können Kinder und Erwachsene mit den Tieren auf Tuchfühlung gehen und diese anfassen und/oder streicheln – jederzeit unter Aufsicht der Pfleger und unter Einhaltung hygienischer Bedingungen. So werden die Freiwilligen gebeten, sich vor dem Streicheln, die Hände mit Desinfektionsspray besprühen zu lassen – für die Sicherheit und Gesundheit von Mensch und Tier.
Im Anschluss an die kleinen Stärkung laufen wir eine weitere Runde und lassen die Welt des Reptiliums und Ihrer Bewohner noch einmal auf uns wirken. Satt sehen kann man sich hier wohl kaum – es ist einfach großartig. Nach drei tropischen Stunden beenden wir unseren Besuch und nehmen sowohl die einmaligen Einblicke als auch jede Menge Bilder mit nach Hause.
Fazit
Das Reptilium in Landau bietet eine einzigartige Möglichkeit, die faszinierende Welt der Reptilien und Amphibien genauer kennen zu lernen. Deutlich ist die Liebe zu den Tieren zu erkennen sowie deren fachgerechte Haltung. Besonderer Erwähnung bedarf der Artenschutz unter Einbeziehung der Mitarbeit an der Stabilisation einiger gefährdeter Bestände durch Zuchtprojekte. Dazu gehören z.B. die Gila-Krustenechse, der Smaragdwaran, der Nashornleguan und die Spaltenschildkröte.
Einen ganz besonderen Zuchterfolg erzielte man im Jahr 2005 mit der Nachzucht von Schnabelbrust Schildkröten.
- 2002: Die Idee zum Projekt „Reptilium“ entsteht aus einem Privatzoo der Familie Wünstel
- 2003: Anmietung der Räumlichkeiten und Flächenplanung
- Thomas Wilms (Zoologe) trifft dem Projekt bei
- Februar 2004: Erste Tiere treffen ein
- Juli 2004: Eröffnung
- 1000 Reptilien – 100 Arten
- Verbrauch von 5000-7000 Futtertieren sowie 50 kg Obst & Gemüse pro Woche
- 25 Mitarbeiter
- Service (inkl. Aushilfen und Azubis) 11
- Tierpfleger
(inkl. Azubis) 6
- Büro/Verwaltung 4
- Hausmeister/Kurierfahrer/Reinigungspersonal
4
- Grundstücksgröße: 4800 m²
- Wüstenhalle: 600 m²
- Terrarienhalle: 1000 m²
- Freigelände: 600 m²
- Aufzucht, Quarantäne: 200 m²
- Lager, Verwaltung: 300 m²
- Großterrarien: 30
- Kleinterrarien: 20
- Öffnungszeiten: täglich 10-18 Uhr außer 24.12. / 25.12. / 31.12 / 1.1.
- Preise:
- Erwachsene: 13,50 €
- Kinder ab 5 Jahre: 8,50 €
- Kinder unter 5 Jahre: kostenlos
- Familienkarte (2 Erwachsene und 2 Kinder): 39,00 €
- Homepage:
http://www.reptilium.de
Besonderheiten
- Nachthaus
- Vergesellschaftung verschiedener Arten
- Videozuspielungen in freier Wildbahn lebender Artgenossen
- Jede Stunde Attraktionen, Schaufütterungen, Tiershows
- Tierpatenschaften
- Fütterungen durch Besucher, Streicheln der Tiere unter Aufsicht
- Führungen
- Zoonacht, Familienfeiern, Kindergeburtstag
- Empfänge, Schulungen, Seminare außerhalb der Öffnungszeiten in der Wüstenhalle möglich
- Gastronomie
- Erlebnisspielplatz für Kinder
- Behinderten-WC
- Wickeltisch
- Mitnahme von Hunden an der Leine erlaubt
- Infomaterial: Zooführer, Souvenirshop

