"Der Grüne Leguan - Biologie, Pflege, Zucht, Erkrankungen" (Gunther Köhler) ist das am meisten empfohlene Standardwerk zur Thematik der Iguana iguana. Köhler gilt unter Experten als Koryphäe, seine Bücher werden von Laien, Züchtern und Experten gleichermaßen gelesen und empfohlen. Er ist Tierarzt, promovierter Zoologe, Leiter der Sektion Herpetologie im Forschungsinstitut und Naturmuseum Senckenberg (Frankfurt a. M.). Außerdem leitet Köhler seit 1986 die AG Iguana in der DGHT (Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde). Heute widme ich mich dem "Hauptwerk" (im Themenbereich der Grünen Leguane) dieses Autors und beginne erstmal mit Grundlegendem.
Das BuchMittlerweile gibt es bereits drei Auflagen des Buches, die dritte und neueste Auflage stammt aus dem Jahr 2006 und ist somit relativ aktuell. In den fünf Jahren, die zwischen der zweiten und der dritten Auflage liegen, ist in der Leguanforschung viel passiert. Neue Technik wurde entwickelt, neue Erkenntnisse unter anderem über Lebensweise und Ernährung dieser Großechsen wurden erzielt. All diese Neuerungen sind in die aktuelle Auflage eingebunden worden, wodurch diese nun in stark erweiterter und ausgebauter Form vorliegt. Das Buch ist im Herpeton-Verlag erschienen und trägt die ISBN-Nummer3-9802892-9-X. Ich habe es 2007 für
29,70 Euro bei Amazon gekauft und diesen Kauf auch nie bereut. Die Gründe im späteren Textabschnitt.
Auf insgesamt 158 hochwertig bedruckten Seiten weist dieses Buch nicht nur ausführliche Texte, sondern auch 93 Farbfotos, 40 Schwarzweißfotos und 37 zum Teil farbige Zeichnungen und Diagramme auf. Der Einband ist sehr ansprechend gestaltet und zeigt, wie auf dem Ciao-Bild auch ersichtlich, eine ausgewachsene Leguandame und ein Jungtier auf den Niederländischen Antillen. Darüber prangt der Titel des Buches, unten rechts ist das Logo des Verlages zu sehen.
Kommen wir nun zum interessantesten Teil dieses Berichtes, nämlich zur eigentlich Rezension bzw. einer Zusammenfassung des Inhaltes.
Inhalt des BuchesIch halte mich im groben an die inhaltliche Struktur des Buches selbst und erläutere dann Abschnitt für Abschnitt selbst. Damit sich niemand langweilt, versuche ich mich kurz zu fassen. Hier also erstmal die Gliederung:
1. Einleitung
2. Name und Systematik
3. Ursprung und Besiedlungsgeschichte
4. Beschreibung und Geschlechtsunterschiede (1 Unterpunkt)
5. Kurze Betrachtung der Anatomie (3 Unterpunkte)
6. Freilandbiologie (24 Unterpunkte)
7. Pflege im Terrarium (14 Unterpunkte)
8. Zucht (6 Unterpunkte)
9. Der Karibische Grüne Leguan (4 Unterpunkte)
10. Erkrankungen (6 Unterpunkte)
11. Bedrohung und Schutzmaßnahmen (1 Unterpunkt)
12. Danksagung, Literaturverzeichnis, Fachausdrücke, Herstellernamen, Anhang mit Klimadiagrammen, Register
1.
EinleitungDas Buch beginnt eigentlich schon eine Seite zuvor mit einem Vorwort, das sich auf die dritte und aktuellste Auflage bezieht. Darauf bin ich aber schon kurz eingegangen, daher gehen wir gleich zur eigentlichen Einleitung über. Die Einleitung ist eine kurze Naturbeschreibung des Lebensraumes der Grünen Leguane, eine kurze Beschreibung eines Leguans an sich, sowie ein Verweis auf einen historischen Lexikoneintrag im Brockhaus 1838, der da lautet
"Jede Kinnlade ist mit einer Reihe dreieckiger, scharfgekerbter Zähne besetzt [...]. Die langen und starken Beine sind an den Schenkeln mit löcherigen Schleimwarzen besät [...]. Im Zustande der Aufregung glühen seine Augen, der Kopf schwillt auf, die Schuppen sträuben und sein Schwanz ringelt und schüttelt sich lebhaft [...]."2.
Name und SystematikEin kurzer Abschnitt über die Namensgebung der Grünen Leguane und die Einordnung in die Familie der Iguanidae. Außerdem findet man hier die Unterscheidungsmerkmale der einzelnen Iguana iguana "Rassen".
3.
Ursprung und BesiedlungsgeschichteDieses Kapitel ist auch wieder mit Diagrammen und Fotos illustriert. Man kann anhand der Karten gut verfolgen, wie und wann der Grüne Leguan seinen heutigen Lebensraum besiedelt hat und wo er verbreitet ist. Die geographische Lage verrät auch an dieser Stelle schon sehr viel über die klimatischen Bedingungen, die ein Grüner Leguan auch in Gefangenschaft benötigt.
4.
Beschreibung und GeschlechtsunterschiedeDieses Kapitel beginnt mit einem Weltrekord: "Der größte bisher bekannt gewordene Grüne Leguan wies eine Gesamtlänge von 230cm bei einem Gewicht von 10,5 kg auf.[...]". Wenn man sich das mal auf der Zunge zergehen lässt, kann man sich ungefähr vorstellen, wie viel Platz so ein Tier auch in einem Terrarium benötigt. Im folgenden beschreibt der Autor phänotypische Merkmale des Grünen Leguans, eine detaillierte Zeichnung wie im Bio-Unterricht zeigt genau wo Nackenschuppen, Trommelfell, Nasenhöcker und so weiter liegen. Ein Schwarzweißfoto verdeutlicht die Lage des Parietalauges auf der "Stirn" der Tiere. Ja, es stimmt, Leguane haben ein drittes Auge. Anschließend geht der Autor auf verschiedene Hautfärbungen bei den Tieren ein und kommt anschließend auf die Geschlechtsunterschiede der Iguana iguana zu sprechen. Auch das ist wieder mit Fotomaterial unterlegt, um dem geneigten Halter Vergleichsmöglichkeiten zu bieten. Im Anschluss sehen wir einen gezeichneten Seitenschnitt eines (männlichen) Iguana iguana mit den inneren Organen.
5.
Kurze Betrachtung der AnatomieHier finden wir ein interessantes Kapitel, das sich mit dem Verdauungsapparat der Grünen Leguane beschäftigt. Das ist ganz besonders wichtig, auch für Terrarianer, um zu erfahren, welche Nahrung diese Tiere zu sich nehmen sollten und dürfen, welche nicht und warum. Auch dieser Teil ist wieder mit Bildern unterlegt. Im Anschluss finden wir weitere Unterpunkte, die sich mit dem Urogenitaltrakt und dem Atmungsapparat der Tiere beschäftigen. Ganz besonders zu befürworten sind die detaillierten Zeichnungen, die sehr gut verdeutlichen, wo welches Organ liegt.
6.
FreilandbiologieDieses Kapitel ist das längste und nimmt nicht nur in der Forschung und Erkenntnisgewinnung einen hohen Stellenwert ein, sondern ist auch wichtig für (werdende) Halter dieses wunderschönen Reptils. Ein Terrarium sollte genau so gestaltet sein, dass es den klimatischen Bedingungen und den Lebensbedürfnissen des gepflegten Reptils in seinem natürlichen Habitat möglichst genau entspricht. Das ist das erklärte Ziel der Terraristik. Die Freilandbiologie der Tiere ist ein wichtiges Indiz dafür, dass der Terrarianer diesem Ziel auch möglichst nachkommt.
Da dieses Kapitel wirklich sehr umfassend und detailliert ist, möchte ich auf den Inhalt nur grob eingehen. Wer mehr erfahren möchte, kann sich das Buch ja gern kaufen oder einfach bei mir nochmal nachfragen.
An erster Stelle finden wir den Punkt Verbreitung, wieder illustriert mit einer topographischen Karte und Fotos. Anschließend werden das Klima in natürlichen Lebensraum sowie der Lebensraum an sich eingehend erläutert. Eine Klimatabelle bildet eine gute Übersicht über Regen- und Trockenzeiten im tropischen Regenwald. Diese Zeiten sind auch für in Gefangenschaft lebende Tiere unheimlich wichtig, da sich ihre Paarungszeit danach richtet. Es folgt ein Kapitel über die Lebensweise der Grünen Leguane, das mit vielen Farbfotos unterlegt ist. Anschließend erläutert der Autor im Themenbereich Verhalten nicht nur das rein körperliche, lebenserhaltende Verhalten der Tiere (also Fressverhalten, Niesen, Schlafen, Koten), sondern auch die Kommunikation der Tiere untereinander. Grüne Leguane sind sehr soziale Gruppentiere und haben im Laufe ihrer Evolution eine eigene Körpersprache entwickelt. Diese Körpersprache umfasst sowohl das Verhalten des Tieres in Gefahrensituationen als auch das Verhalten der Tiere untereinander. Iguana iguana kommunizieren über das Kopfnicken, das Buch umfasst eine Art "Wörterbuch des Kopfnickens" und erläutert die verschiedenen Arten des Nickens und deren Bedeutung. Außerdem werden Verhaltensweisen wie Drohen und Ablehnung deutlich dargelegt und illustriert. Auch das Absetzen des individuellen Femoralporensekretes der Grünen Leguane ist eine Form der Kommunikation, wenn auch kein bewusst körperliches, sondern ein chemisches Signal.
Das folgende Kapitel beschäftigt sich intensiv mit der Ernährung Grüner Leguane in freier Wildbahn. Dieser Themenbereich ist auch wieder mit Farbfotos und anatomischen Zeichnungen versehen, die verdeutlichen wo und was Leguane fressen und wie die Verdauung funktioniert. Gerade in diesen Zeichnungen wird verdeutlicht, dass Leguane Blattfresser sind und genau für diese Art der Ernährung "ausgerüstet" sind. Blätter stellen daher, auch für Iguana iguana in Gefangenschaft, den Hauptteil der Nahrung dar.
Im Bereich Fortpflanzung finden wir direkt eine große Ansammlung von Klimadiagrammen und Fotos. Es wird verdeutlicht, in welchem Alter Grüne Leguane geschlechtsreif werden und wann bei diesen Tieren die Paarungszeit stattfindet. Außerdem zeigt der Autor auf vielen Farbfotos in diesem Themenbereich das Paarungs- und Balzverhalten der Iguana iguana. Das Kapitel danach beschäftigt sich mit der Trächtigkeit und Eiablage der Weibchen, die zum Teil weite Strecken auf sich nehmen, um die richtige Höhle für ihr Gelege zu finden. Auch hier illustrieren interessante Farbfotos diesen Vorgang. Im Anschluss finden wir einen Abschnitt zur Inkubation ("Ausbrüten" der Eier), zum Schlupf der Jungtiere und zum Verhalten der frisch geschlüpften Leguane. Natürlich gibt es auch hier wieder reichlich Bildmaterial und vor allem viele "Aaaawwww"-Fotos von den kleinen Schlüpflingen. Immer noch zum Kapitel der Jungtiere gehören die dann folgenden Bereiche Wachstum im natürlichen Lebensraum und natürliche Feinde.
7.
Pflege im TerrariumAuch dieses Kapitel nimmt einen Großteil des Buches ein, da es natürlich für den interessierten Terrarianer so ziemlich das wichtigste ist. Es beginnt mit einigen Empfehlungen zur Eingewöhnung der Tiere und grundlegenden Dingen auf die man vor der Anschaffung achten sollte. Im Folgenden werden Besatzdichte und Vergesellschaftung der Tiere näher beleuchtet, das darauf folgende Kapitel beschäftigt sich mit dem erforderlichen Terrarium. Dieser Themenbereich ist ganz besonders ausführlich und behandelt den Standort, Aufbau, die Größe, die Einrichtung, Beleuchtung und Beheizung des Terrariums und vieles mehr. Alle Ausführungen sind äußerst hilfreich und detailliert, außerdem wieder reichlich illustriert. Einen besonderen Abschnitt gibt es später noch unter der Punkt Freilandterrarium, welcher mit anschaulichem Bildmaterial unterlegt ist. Auch das oft angesprochene Thema der Zimmerhaltung wird hier näher beleuchtet. Experten, Züchter und der Autor selbst raten von der Zimmerhaltung strikt ab, da in einem durchschnittlichen, deutschen Wohnzimmer niemals ein Regenwaldklima erreicht werden kann. Dieses Klima ist aber erforderlich, um den Grünen Leguan gesund zu halten, eine Zimmerhaltung ist also nicht zu befürworten. Ein sehr wichtiger Abschnitt, der nun folgt, behandelt die oft umstrittene Thematik der Ernährung. Noch heute wird oft darüber debattiert, ob Leguane vollkommen vegetarisch ernährt werden oder in Einzelfällen Lebendfutter (also Insekten) erhalten sollten. Der Autor spricht sich, natürlich begründet, für eine rein vegetarische Ernährung Grüner Leguane aus. Wie bereits im Kapitel über Anatomie festgestellt wurde, ist das Verdauungssystem der Tiere nicht auf tierische Eiweiße ausgelegt, sondern hauptsächlich auf Blätter und andere pflanzliche Nahrung. Eine Ernährung der Tiere mit tierischen Proteinen führt innerhalb kürzester Zeit zu schwerwiegenden Krankheiten. Das Buch enthält außerdem eine Auflistung von Futterpflanzen sowie eine Tabelle, die die Inhaltsstoffe verschiedener Nahrung verdeutlicht. Leider ist die Futterempfehlung noch immer nicht auf dem neuesten Stand, da sie noch Futterpflanzen enthält, von denen der Autor selbst mittlerweile abrät. Nach einer Auflistung schädlicher Futterpflanzen, widmet sich Köhler der Thematik Zucht.
Dieser Bereich umfasst die Aspekte Paarung und Balz, Trächtigkeit, Eiablage, Inkubation und Schlupf, alles unterlegt durch hilfreiche Tipps und Hinweise und viele Farb- und Schwarzweißfotos sowie Zeichnungen und Diagramme. Besonders schöne Bilder gibt es im anschließenden Abschnitt der Jungtieraufzucht, auf denen sich zum Teil 30 frisch geschlüpfte Jungtiere auf einem Ast tummeln. Traumhafte Fotos für jeden Reptilienliebhaber.
9.
Der Karibische Grüne LeguanBei dieser Leguanart, dem Iguana delicatissima, handelt es sich um ganz besondere Exemplare. Der Karibische Grüne Leguan ähnelt seinem nahen Verwandten, dem Iguana iguana sehr, es sind aber doch einige Unterschiede deutlich zu sehen. Iguana delicatissima wirken besonders urtümlich und erinnern an Dinosaurier oder Drachen. Im folgenden Kapitel wird diese Art eingehend beschrieben, ihre Verbreitung und Freilandbiologie wird dargelegt, der Autor geht auch auf Pflege und Zucht dieser besonderen Leguanart ein. Iguana delicatissima zählen zu den bedrohten Tierarten auf unserem Planeten, sie sind mittlerweile sehr selten geworden und existieren nur noch in wenigen Gebieten der Kleinen Antillen. Bisher gibt es bei dieser Art auch nur einen einzigen Nachzuchterfolg in Menschenhand.
10.
ErkrankungenGleich zu Beginn dieses Abschnitts finden wir eine Abbildung, die uns die Ursachen für die Nahrungsverweigerung der Grünen Leguane im Terrarium zeigt. Diese ist außerdem noch ausführlich beschrieben. Im Folgenden beschreibt Köhler die häufigsten Erkrankungen bei Iguana iguana, die über Parasiten, Legenot, Bindehautentzündung, Infektionen bis hin zu fibröser Osteodystrophie und Muskelschwund reichen. Auch dieses Kapitel ist mit Fotos versehen, die die Anzeichen für die entsprechenden Erkrankungen verdeutlichen. Die Bilder sind weitestgehend extrem unschön, zur Veranschaulichung aber notwendig und hilfreich.
11.
Bedrohung und SchutzmaßnahmenDer Grüne Leguan ist mittlerweile an vielen Orten bereits vom Aussterben bedroht, natürlich ist daran auch wieder der Mensch schuld, denn die Lebensräume der Iguana iguana werden zunehmend zerstört und mit Pestiziden vergiftet. Insbesondere die Regenwaldabrodung ist eine große Bedrohung für die Tiere. Mittlerweile gibt es weltweit viele Leguanzuchtprojekte, die sich um die Erhaltung dieser einzigartigen Echsenart kümmern. Durch seine Anpassungsfähigkeit, vegetarische Ernährungsweise und Harmlosigkeit ist dieses Reptil ein besonders erfolgversprechend Zuchtprojekt. Das Kapitel beschreibt noch kurz die einzelnen Zuchtprojekt und Schutzmaßnahmen für die Erhaltung der Iguana iguana.
12.
Danksagung, Literaturverzeichnis, Fachausdrücke, Herstellernamen, Anhang mit Klimadiagrammen, RegisterDie Überschrift sagt ja eigentlich schon alles, wir finden hier noch ein ausführliches Quellenverzeichnis, ein hilfreiches Register über die im Buch verwendeten Fachausdrücke, einige Herstellernamen, Klimadiagramme verschiedener Verbreitungsgebiete und ein sehr praktischen Register für Begriffe, die man sucht und auch dementsprechend auch sehr schnell findet.
FazitMein Fazit ist durchweg positiv. Dieses Buch ist in jedem Fall absolut empfehlenswert und sollte im Schrank eines jeden Leguanhalters stehen. Es beinhaltet Grundinformationen, detailliertes Fachwissen und viel Anschauungsmaterial. Ich konnte bisher kein besseres Leguanfachbuch ausfindig machen.

Dieser von mir selbst verfasste Bericht wurde übernommen aus: www.ciao.de:
http://www.ciao.de/Der_grune_Leguan_Kohler_Gunther__Test_8304665